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ChatGPT am Arbeitsplatz, aber legal

Irgendwo im Unternehmen sitzt gerade jemand vor einem Kundenvertrag, kopiert den Text kurzerhand in ChatGPT und lässt sich für das nächste Telefonat schnell eine Zusammenfassung erstellen. Böse Absicht steckt da nicht dahinter, es geht einfach darum, die Aufgabe möglichst schnell vom Tisch zu haben.

Ein Verbot bringt in der Praxis wenig: Mitarbeitende nutzen ChatGPT trotzdem, nur sieht dann niemand mehr, welche Daten dabei nach aussen gelangen. Sinnvoller ist es, eine offizielle Alternative anzubieten, die genauso einfach funktioniert, aber tatsächlich für Firmen- und Kundendaten freigegeben ist. Infrage kommen dafür fünf Plattformen: Amazon Bedrock, Google Vertex AI, Microsoft Azure OpenAI Service, Langdock und Amazee AI. Bei den drei grossen Cloud-Anbietern (Bedrock, Vertex AI und Azure OpenAI)  lässt sich DSGVO- und HIPAA-Konformität zwar herstellen, die nötige Konfigurationsarbeit muss dabei aber das Unternehmen selbst übernehmen. Langdock und Amazee AI gehen den umgekehrten Weg: Beide sind kleinere, europäische Anbieter, bei denen Compliance von Haus aus eingebaut ist.

Welche der fünf Plattformen sich am besten eignet, kommt darauf an, worauf ein Unternehmen bereits aufbaut und wie viel zusätzlichen Aufwand es sich leisten kann.

Fünf Wege zu einer rechtskonformen Unternehmens-KI

Amazon Bedrock

Ein AWS-Konto, ein Vertrag, Zugriff auf mehrere KI-Modelle gleichzeitig.

Über das eigene AWS-Konto lassen sich bei Bedrock verschiedene KI-Modelle nutzen – darunter Claude, Llama sowie Amazons hauseigene Titan- bzw. Nova-Modelle. Der grosse Vorteil: Ein einziger Vertrag mit AWS deckt alle genutzten Modelle ab, separate Vereinbarungen mit jedem einzelnen Anbieter fallen also weg. Für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten ist Bedrock allerdings erst seit Februar 2026 zugelassen. Prompts und Antworten werden zwar standardmässig nicht gespeichert, doch eine Zulassung allein macht die Nutzung noch nicht automatisch sicher. Es braucht weiterhin jemanden im Haus, der die Region korrekt einstellt und die Datenflüsse im Blick behält, damit nichts falsch konfiguriert wird.
Bedrock passt deshalb am besten zu Unternehmen, die AWS bereits im Einsatz haben und über etwas eigenes technisches Know-how verfügen.

Google Vertex AI (Gemini Enterprise Agent Platform)

Zugriff auf Gemini und weitere Modelle über Google Cloud, mit der grössten Auswahl an europäischen Rechenzentren.

Vertex AI öffnet den Zugang zu Gemini und weiteren Modellen über Google Cloud und punktet dabei vor allem mit Auswahl: Kaum ein anderer Anbieter lässt so viele europäische Standorte für Speicherung und Verarbeitung zu, für Unternehmen mit strengen EU-Vorgaben durchaus ein Pluspunkt. Diese Auswahl hat aber ihren Preis, denn genau diese Flexibilität macht Fehler wahrscheinlicher. Die Einstellungen, die über den Datenstandort entscheiden, verteilen sich über viele verschiedene Stellen der Plattform, eine einzige übersehene Einstellung genügt schon, und Daten landen unbemerkt am falschen Ort. Konform lässt sich Vertex AI zwar betreiben, doch ein internes Team muss dafür sämtliche Einstellungen dauerhaft im Griff behalten. Das Tool eignet sich deshalb eher für Unternehmen mit eigener Cloud-Expertise als für ein kleines, breit aufgestelltes IT-Team.

Microsoft Azure OpenAI Service

Die Modelle hinter ChatGPT, eingebettet in einen Microsoft-Geschäftsvertrag.

Azure OpenAI Service liefert Zugriff auf dieselben Modelle, die auch ChatGPT antreiben, nur eben über ein Microsoft-Geschäftskonto statt über die öffentliche Website. Für Unternehmen, die ohnehin auf Microsoft 365 und Azure setzen, ist das oft der bequemste Weg: Verträge, Anmeldesysteme und IT-Beziehungen bestehen ja schon. Der Standardvertrag von Microsoft enthält die nötigen rechtlichen Absicherungen für sensible Gesundheitsdaten, und Kundengespräche fliessen standardmässig nicht ins weitere Training der Modelle ein. Auch hier gilt jedoch: Rechtlicher Schutz heisst noch nicht automatisch sichere Einrichtung. Jemand im Unternehmen muss weiterhin wissen, welche Region die richtige ist und wie sich der Zugriff sauber einschränken lässt. Am besten passt die Lösung deshalb zu Unternehmen mit einer bestehenden Microsoft-Umgebung und zumindest etwas technischem Know-how im Haus.

Langdock

Eine Berliner Plattform mit sofort einsatzbereitem Zugang zu führenden KI-Modellen, ganz ohne eigene Cloud-Infrastruktur.

Langdock verfolgt einen anderen Ansatz: Statt eigene Modelle zu entwickeln, bündelt die Plattform den Zugang zu mehreren führenden Modellen wie GPT, Claude und Mistral in einer einzigen Oberfläche, gehostet grösstenteils innerhalb der EU. Firmendaten fliessen zu keinem Zeitpunkt ins Training ein, und die Plattform ist mit anerkannten Zertifizierungen wie ISO 27001 und SOC 2 Type II abgesichert. Gewachsen ist Langdock rasant: Über 10’000 Unternehmen setzen die Lösung inzwischen ein, was für einen Anbieter dieser Art einen soliden Leistungsnachweis darstellt. Der Preis dafür: Langdock ist auf den professionellen, unternehmensweiten Einsatz zugeschnitten, was für ein sehr kleines Team finanziell schnell ins Gewicht fallen kann.

Amazee AI

Eine Schweizer Plattform für rechtskonformen, datenschutzorientierten KI-Zugang, ganz ohne eigenes Compliance-Team.

Amazee AI kommt aus der Schweiz und richtet sich an Unternehmen, die sich möglichst wenig selbst um Compliance-Fragen kümmern möchten. Der Datenstandort wird einmalig bei der Einrichtung festgelegt – zur Auswahl stehen unter anderem die Schweiz, Deutschland, die weitere EU, Grossbritannien, die USA oder Australien. Prompts und Antworten werden standardmässig nicht gespeichert, und auch hier sorgen anerkannte Zertifizierungen wie ISO 27001 und SOC 2 Type II für Absicherung. Am meisten Sinn ergibt Amazee AI für Unternehmen, für die Datenverarbeitung explizit in der Schweiz eine feste Vorgabe ist – nicht nur eine allgemeine Vorliebe für «irgendwo in Europa».

Unser Fazit: Welches Tool zu wem passt

Keine der fünf Optionen ist pauschal die richtige Wahl. Entscheidend ist, worauf ein Unternehmen bereits aufbaut, wie viel Verantwortung es selbst tragen will und wie konkret die Anforderungen an den Datenstandort tatsächlich sind.

Wer die eigene Infrastruktur bereits auf AWS betreibt, fährt mit Bedrock in der Regel am besten: Verträge, technische Anbindung und Abrechnung existieren bereits, wodurch der Umstieg deutlich kleiner ausfällt als ein kompletter Wechsel. Bei Google Cloud liegt der Fall ähnlich, dort bietet sich Vertex AI als naheliegende Erweiterung an. Und wer stark auf Microsoft 365 und Azure setzt, findet in Azure OpenAI Service die passende Fortsetzung der eigenen Umgebung. In allen drei Fällen gilt: Der Anbieter, dem die Infrastruktur ohnehin schon anvertraut ist, bietet den geringsten Widerstand, vorausgesetzt, ein Team im Haus behält die Einstellungen dauerhaft im Griff.

Wer dagegen gar nicht erst auf einen der grossen Cloud-Anbieter setzen möchte, wählt zwischen Langdock und Amazee AI. Der Unterschied liegt weniger in der Leistungsfähigkeit als in Grösse und geografischem Fokus: Langdock passt besser zu einem grösseren oder schnell wachsenden Unternehmen. Amazee AI passt besser zu einem kleineren Unternehmen oder zu einem, für das Datenverarbeitung explizit in der Schweiz nicht verhandelbar ist.

Die nächsten Schritte zu einer rechtskonformen KI-Lösung

Mitarbeitende, die ChatGPT längst für die Arbeit nutzen, hören damit nicht auf, nur weil eine neue Richtlinie das vorschreibt. Wirksam wird eine Regelung erst, wenn die offizielle Alternative genauso schnell zur Hand ist wie die inoffizielle, sonst bleibt Letztere schlicht die bequemere Wahl. Massgeblich ist letztlich nicht die Funktionsliste auf dem Papier, sondern die Frage, welches der fünf Tools tatsächlich zur bestehenden Infrastruktur und Unternehmensgrösse passt.

Unser Team schaut sich an, wie KI im Unternehmen aktuell genutzt wird, klärt die branchenspezifischen Datenschutzanforderungen und unterstützt bei Auswahl und Einrichtung der passenden Plattform. Jetzt Kontakt aufnehmen für eine unverbindliche Compliance-Bestandsaufnahme.

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